Die 5 Beziehungen
In ihren vielfältigen Aktivitäten versucht die Pfadibewegung Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ganzheitlich und in ihrer Persönlichkeit zu fördern. Die Ganzheitlichkeit drückt sich in 5 Richtungen aus, die wir die 5 Beziehungen nennen:
Die Beziehung zur Persönlichkeit: selbstbewusst und selbstkritisch sein
Wir gestalten unser Leben mit Freude und Optimismus. Dabei bilden wir uns eine
eigene Meinung, übernehmen Verantwortung für uns selbst und gestalten unser
Leben selbständig. Dennoch hinterfragen wir unsere Taten und Gedanken
selbstkritisch. Wir nehmen Einfluss auf unsere Umgebung und gehen mit
Selbstvertrauen auf andere zu. Die Pfadibewegung bestärkt uns darin, uns
unserer Möglichkeiten bewusst zu werden, sie zu entwickeln und auf sie zu
vertrauen. Dazu gehört auch, dass wir unsere Grenzen kennen und sie akzeptieren
lernen. Dies fördert ein gesundes Selbstbewusstsein, das es uns erlaubt, dem
Leben mit all seinen Geheimnissen zu begegnen.
Die Beziehung zum Körper: sich annehmen und sich ausdrücken
Wir schätzen unseren Körper und unsere Gefühle. In einem geschützten Rahmen
lernen wir unsere körperlichen und emotionalen Bedürfnisse, Möglichkeiten und
Grenzen kennen und mit ihnen umzugehen. Wir spornen uns zu Bewegung und
Leistung an und fördern unsere handwerklichen Fähigkeiten durch praktisches
Lernen. Dabei achten wir auf unseren Körper und unsere Gefühle und begegnen
anderen Menschen mit der gleichen Rücksicht.
Die Beziehung zu den Mitmenschen: anderen begegnen und sie respektieren
Gemeinschaften von der Kleingruppe bis zur internationalen Völkergemeinschaft
sind uns wichtig. Wir sind Teil von Gemeinschaften, die wir aktiv gestalten.
Dabei lernen wir zu teilen, offen auf Aussenstehende zuzugehen und sie zu
respektieren. Wert legen wir auch auf die Fähigkeit zu solidarischer
Partnerschaft und Zusammenarbeit. Im gleichen Sinn lernen wir Verantwortung zu
tragen, in der Gruppe Entscheidungen zu fällen und diese zu akzeptieren.
Die Beziehung zur Welt: kreativ sein und umweltbewusst handeln
Wir entdecken die Welt mitsamt ihren Schönheiten und Geheimnissen und erfreuen
uns daran. Der Schutz von Natur und Umwelt ist uns dabei ein ebenso wichtiges
Anliegen wie der respektvolle Umgang mit den Ressourcen der Erde. Wir leben
mit einfachen Mitteln, die wir kreativ einsetzen. Wir haben den Mut, Neues zu
schaffen und gestalten die Welt mit Freude und Fantasie.
Die Beziehung zu Gott, spirituelle Beziehung: offen sein und nachdenken
Die Pfadi bietet uns ein spirituelles und moralisches Wertsystem, welches uns
dabei unterstützt, unserem Leben eine Richtung zu geben. Es regt uns dazu an,
über unsere eigenen Werte nachzudenken und sie, auf Grund der individuellen
Lebenserfahrungen, zu hinterfragen. Für viele wird darin Gott erfahrbar. Wir
respektieren die vielfältigen Formen, wie Menschen persönlich oder gemeinsam
suchen, fragen und darauf antworten. Auf der Grundlage dieser überlegungen
suchen wir nach Werten, die unserem Leben einen Sinn geben.
Die 7 Methoden
Die Methoden sind Wege, um die von der Pfadibewegung gesteckten, erzieherischen Ziele zu erreichen. Die folgenden sieben Methoden sind alle gleich wichtig, die folgende Reihenfolge ist keine Rangordnung. Die Pfadibewegung ist in vier Altersstufen gegliedert, welche eine altersgerechte Förderung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglichen. Bei der Umsetzung der Methoden wird auf die Eigenheiten der jeweiligen Altersstufe Rücksicht genommen.
Persönlichen Fortschritt fördern
Auf ihrem Weg übernehmen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Verantwortung,
erwerben Fähigkeiten und setzen sich mit Werten auseinander. Sie stecken sich
immer wieder neue Ziele und suchen nach Möglichkeiten diese zu erreichen. Da
die persönliche Leistung des Einzelnen auch in der Gruppe anerkannt wird,
spornt sie alle zu weiteren Schritten an.
Mitbestimmen und Verantwortung tragen
Die Aktivitäten stützen sich auf die Bedürfnisse der Pfadi ab. Von der Planung
bis zur Auswertung werden die Aktivitäten auf jeder Stufe auf eine
demokratische und mitbestimmende Art erarbeitet. Nach dem Grundsatz
'learning by doing' gestalten die Pfadi ihre Aktivitäten selbst. Dabei ist der
Weg gleich wichtig wie das Resultat. Dieser Prozess wird unter verschiedenen
Begriffen auf allen Stufen angewendet. Dabei können auch Aktivitäten
durchgeführt werden, welche der Allgemeinheit oder Benachteiligten dienen,
kurz: Dienste an der öffentlichkeit.
Draussen leben
Die Pfadiaktivitäten finden zu einem grossen Teil im Freien statt. Durch die
Nähe zur Natur wächst das Verständnis und das Engagement der Kinder und
Jugendlichen für den Schutz von Natur und Umwelt. Im Lager bietet sich die
Natur als Lebensraum an. Draussen entdecken und erforschen die Kinder,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen Neues und Fremdes mit Interesse.
Spielen
Das Spiel nimmt einen zentralen Platz innerhalb der Pfadiaktivitäten ein. Es
wird zur Förderung von Kenntnissen und Fertigkeiten eingesetzt und ist dabei
sowohl sportliche wie gemeinschaftliche Aktivität. Durch die Einkleidung in
eine Thema oder Motto wird zudem die Fantasie und die Kreativität gefördert.
Gesetz und Versprechen
Gesetz und Versprechen sind Spielregeln für das Zusammenleben. Sie beruhen auf
den Zielen der Pfadibewegung. Sie zeichnen eine Leitlinie für das Leben weit
über die Pfadizeit hinaus. Mit dem Versprechen verpflichten sich die Mitglieder
freiwillig, die Werte des Gesetzes zu respektieren, über welche sie schon
nachgedacht und diskutiert haben. Der Wahlspruch ruft dazu auf, sich für die
Pfadi einzusetzen.
Leben in der Gruppe
Auf allen Stufen lernen die jungen Menschen, in der kleinen Gruppe miteinander
zu leben sowie eine aktive Rolle und Verantwortung zu übernehmen. Nach dem
Grundsatz 'Junge führen Junge' nehmen sie schon früh Leitungsaufgaben wahr.
Die kleine Gruppe bereitet sie darauf vor, sich in anderen und grösseren
Gemeinschaften sicher zu bewegen und einzusetzen. Das Leben in verschiedenen
Gruppen fördert die Toleranz und die Offenheit gegenüber anderen.
Rituale und Traditionen
Das Leben in der Gruppe und der Fortschritt jedes Einzelnen in der Pfadi ist
gekennzeichnet durch Rituale, welche die wichtigen Entwicklungsschritte der
Kinder und Jugendlichen begleiten und bewusst machen. Diese Rituale
unterstreichen die Wichtigkeit und den Sinn der gemeinsamen Aktivitäten. Die
weitergehenden Traditionen stärken den Gruppengeist. Sie müssen für alle
verständlich sein und darum immer wieder in Frage gestellt werden.